Der Möbelhaus-Besuch als sonntägliches Familien-Event? Der Verdauungsspaziergang nach dem Sonntagsbraten führt ins nächst gelegene Einkaufszentrum? Stressfrei Weihnachtsgeschenke shoppen? Oder – in seligen Vor-Corona-Zeiten – die Nacht von Samstag auf Sonntag durchtanzen und sich auf dem Heimweg noch schnell fürs späte Frühstück eindecken?

Der verkaufsoffene Sonntag klingt für viele erst mal attraktiv – wir geben euch gute Argumente an die Hand, weshalb wir davon überzeugt sind, dass der Preis fürs Sonntags-Shopping zu hoch ist. Bezahlen müssen ihn – nicht nur – die Beschäftigten.

1. Freier Sonntag – das Bundesverfassungsgericht ist auf unserer Seite

Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil grundsätzlich klargestellt, dass sich der Sonntag deutlich von einem Werktag unterscheiden muss. Deshalb dürfen verkaufsoffene Sonntage in der Regel nur Anlass-bezogen mit einem Fest, einer Feier oder einer Messe genehmigt werden. Fehlt diese Unterscheidung, gibt es keinen Grund mehr, Sonntage anders als normale Wochentage zu behandeln. Damit könnten die verkaufsoffenen Sonntage der Beginn einer Deregulierung von Arbeitszeit für viele Branchen sein – vielleicht trifft es auch euch.

Verkaufsoffene Sonntage sind seit 2006 Ländersache, weswegen sich die Regelungen regional unterscheiden. Zuletzt im September 2020, mitten in der Corona-Krise und bei steigenden Infektionszahlen, gab es einen erneuten Vorstoß des Handelsverbandes, das Gesetz zum Schutz des arbeitsfreien Sonntags aufzuweichen. Wir sind dagegen gerichtlich vorgegangen und haben es geschafft, in NRW fünf verkaufsoffene Sonntage vor Weihnachten zu verhindern.

2. Gemeinsame Freizeit für gesellschaftliches Engagement

Ehrenamt, das Engagement für die Zivilgesellschaft – für eine funktionierende Demokratie unverzichtbar – , aber auch die eigene Familie erfordern Zeit – einen gemeinsamen Zeitraum, den so viele Menschen wie möglich teilen. Der Kampf um freie Zeit ist nicht neu. In den frühen Jahrzehnten der Bundesrepublik hieß es : „Samstags gehört Vati mir.“ Zum Glück hat sich das Familienbild über den männlichen Alleinverdiener hinaus entwickelt und viele Menschen leben in ganz unterschiedlichen Lebensformen – aber das Verhältnis von Arbeit und freier Zeit ist immer noch genauso wichtig.

Initiativen, Gruppen, Parteien, Organisationen leben von der Teilnahme an ihren Veranstaltungen, der Mitarbeit in ihren Gremien, der lebendigen Diskussion. Dafür braucht es Freiräume.

3. Keine höheren Gewinne durch verkaufsoffene Sonntage

Oft heißt es, der stationäre Handel müsse gegenüber dem Online-Handel gestärkt werden – zum Beispiel mit einem zusätzlichen Verkaufstag am Sonntag. Gerade in der Corona-Krise wird versucht, mit dem Hinweis auf Arbeitsplätze Druck zu erzeugen. Dass mit einem zusätzlichen Tag mehr Geld im Einzelhandel verdient wird, ist aber nicht richtig. Stattdessen verschiebt sich der Umsatz von den Werktagen auf den Sonntag.

Denn nur weil länger geöffnet ist, können die Menschen nicht mehr Geld ausgeben – gerade in Zeiten, in denen die Erwerbslosigkeit zunimmt, und sich Millionen Menschen in Kurzarbeit befinden. Dieses Bild hat auch der recht maue verkaufsoffene Sonntag am 6. Dezember in Berlin gezeigt.

4. Kleine Läden profitieren selten von verkaufsoffenen Sonntagen

Für lokale Geschäfte ist der verkaufsoffene Sonntag oft nicht einfach zu stemmen. Der Trend in den Innenstädten geht sowieso zu großen Verkaufsflächen, kleine Händler werden zunehmend verdrängt. Sie sind in einer Zwickmühle: Im Unterschied zu den Großen fällt es ihnen schwerer, dem erhöhten Personalbedarf angemessen nachzukommen – und trotzdem nicht unbedingt höhere Gewinne erzielt werden, verlieren sie gegenüber den Ketten, wenn sie ihr Geschäft am Sonntag zulassen.

5. Verkaufsoffene Sonntage treiben das Infektionsgeschehen

Verfechter der verkaufsoffenen Sonntage argumentieren mit einer „Entzerrung des Kundenaufkommens“ vom Samstag auch auf den Sonntag. Wie ver.di argumentiert auch das Oberverwaltungsgericht Münster im November 2020: Mangels anderer Freizeitaktivitäten aufgrund des Lockdowns werden Menschen dazu animiert, in die Innenstädte zu kommen. Größere Menschenaufläufe in Haupteinkaufsstraßen, in Shopping Mails oder vor den Kassen schwedischer Möbelhäuser stehen im Widerspruch zur aktuellen Pandemie-bedingten Gesetzeslage. Auch wächst die Gefährdung für die Beschäftigten, die sowieso schon sechs Tage in der Woche einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind.

Weitere gute Gründe für den Sonntagsschutz findest du bei ver.di im Fachbereich Handel.

4 thoughts on “5 gute Gründe für den Sonntagsschutz

  • 20. Dezember 2020 um 7:38
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    Es gibt noch einen Grund gegen die Sonntagsöffnung: Nach wie vor leben in den Innenstädten ja auch Menschen – und auch die brauchen mal einen Tag Ruhe.

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  • 15. Januar 2021 um 11:35
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    Es gibt halt schöneres, als am Sonntag zum Einkaufen in die Stadt zu gehen.
    Öffnungszeiten bis 22:00 Uhr bei Aldi, Netto, REWE und Lidl von Mo-Sa sind schon genug!

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  • 27. Januar 2021 um 13:24
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    Seit dem Bau der egyptischen Pyramiden vor 5tsd. Jahren ist der Ruhetag in Stein gemeißelt.
    „Der Sonntag gehört der Familie und der geistigen Erbauung.“
    Von Initiativen, Gruppen, Parteien, Organisationen steht nichts in der Berliner Landesverfassung.
    Selbst Luther und Calvin haben an dem Ruhetag nicht gerüttelt. Warum und für Was leben wir?
    Moses und Amos haben den Tanz um den Mammon kritisiert: Eine Gesellschaft, die auf Gier und Rücksichtslosigkeit gründet, ist dem (Bürger-)Krieg geweiht. Eigentum ist dem Gemeinwohl verpflichtet: Wo das Gemeinwohl dem Profit weicht … siehe Amos!
    Kapitalismus ist Krise – Katastrophenkapitalismus bedeutet Megagewinne durch Umschichtung von fleißig zu reich – siehe Corona-Bonanza. Big Tech/Money/Pharma vergemeinschaften: Was sagt ver.di denn zur Privatisierung der Daseinsvorsorge und PPP der Regierungen? Es wird Zeit, das der Souverän sich sein Land und seine Verfassung für die unsere Mütter und Väter gekämpft haben zurückholt. Der Sonntag wäre schon mal ein guter Anfang.

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