Arbeitsalltag in einer Agentur.
Das Foto zeigt weder Gabriel noch die Agentur, in der er tätig war.

Das Interview führte Petra Welzel

Gabriel hat einen Betriebsrat in einer Digitalagentur gegründet und hätte damit auch scheitern können. Er wurde angefeindet, kaltgestellt, mit Kündigungen bedroht. Ein Gespräch über die Mühen einer Betriebsratsgründung, was man dazu wissen muss, und warum Betriebsratsarbeit dennoch Spaß machen kann.

ver.di: Gabriel, du hast vor ein paar Jahren in einer Digitalagentur einen Betriebsrat gegründet – gegen massive Widerstände. Gibt es euren Betriebsrat noch?

Gabriel: Der Betriebsrat wurde in einem Unternehmen gegründet, das es heute nicht mehr gibt. Die Agentur war Teil eines Konzerns – und der Konzern hat später entschieden, dieses Unternehmen aufzulösen. Dann gab es eine Verschmelzung, für den Betrieb einen Übergang. Auf diesen Weg hat sich auch der Betriebsrat begeben, er ist mitgewandert in diesen neuen Betrieb und wir haben unsere Arbeit im Rahmen eines Übergangsmandats fortgesetzt.

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Mousa im Gespräch mit einem Amazon-Fahrer

Der Online-Riese Amazon stellt seit 2019 auch in Deutschland die eigenen Pakete selbst zu – und ist damit nicht mehr auf herkömmliche Paketlieferdienste angewiesen. Da Amazon nicht gerade für gute Arbeitsbedingungen bekannt ist, wollten wir wissen: Wie sieht es damit aus auf der sogenannten „letzten Meile“? Mousa von Faire Integration berät Fahrerinnen und Fahrer, die Amazon-Bestellungen ausliefern, und erzählt von seinen Einblicken.

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von Daniel Behruzi

Stärke durch Organisation!

Die nicht-ärztlichen Beschäftigten der Kölner Uniklinik haben sich erfolgreich mit ver.di organisiert und gestreikt. Die Krankenpflegerin Rosa Hense berichtet, wie die Aktiven das geschafft haben.

 Rosa Hense , Gesundheits- und Krankenpflegerin am Uniklinikum Köln. 
Foto: Daniel Behruzi
Rosa Hense, Gesundheits- und Krankenpflegerin am Uniklinikum Köln.
Foto: Daniel Behruzi
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Alle Fotos von Kay Herschelmann

Bitter, aber wahr im Frühjahr 2022

Gestern Morgen startete die dritte Runde der Tarifverhandlungen für den Sozial und Erziehungsdienst. Die Corona-Zahlen sinken – und deshalb war es endlich wieder möglich, dass um die 1000 Kolleg*innen aus Berlin und Brandenburg sowie Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die im Übrigen von ihren Trillerpfeifen regen Gebrauch machten, in einem großen Demozug Richtung Kongresshotel in Potsdam zogen, wo die Verhandlungen stattfinden.

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Mein Name ist Ina, ich bin 55 Jahre alt und arbeite seit 33 Jahren bei einem Blinden- und Sehbehindertenverein. Dort betreue ich schwerstmehrfachbehinderte Erwachsene, die zudem blind oder sehbeeinträchtigt sind. Das ist ein sehr sensibler Bereich. Insgesamt betreibt der Verein fünf Wohneinheiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten und zwei Werkstätten. Ich bin langjährige Teamleiterin und teilweise freigestellte Betriebsrats-Vorsitzende.

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Mein Name ist Brit, ich bin 43 Jahre alt und arbeite seit 10 Jahren als Erzieherin in der Kindertagesstätte einer Hamburger Stiftung. Seit vier Jahren bin ich in einer integrativen Kita-Gruppe tätig. Ebenfalls vor vier Jahren wurde ich in den Vorsitz der Mitarbeiter*innenvertretung gewählt und bin teilweise freigestellt. Ab Mai diesen Jahres bin ich aber wieder in Vollzeit bei den Kindern.

Unsere Stiftung ist der Diakonie zugeordnet, wir gehören damit zu den wenigen Anwendern der Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR). Die aktuelle Tarifrunde für den kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst betrifft uns somit nicht direkt, aber sie setzt Standards für die gesamte Branche und so profitieren wir auch von einem guten Abschluss, nur etwas später. Bisher hat die Arbeitsrechtliche Kommission einige Zeit nach einem Tarifabschluss im öffentlichen Dienst unsere Gehälter immer nach oben korrigiert. Sonst würden viel zu viele Beschäftigte zur kommunalen Konkurrenz abwandern

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Ich bin Julia, 38 Jahre alt und Sozialpädagogin. Ich arbeite im Bereich Ambulant Begleitetes Wohnen bei einem Freien Träger. Im Rahmen unseres Konzepts begleite ich einzelne erwachsene Personen mit Behinderung in ihrem Alltag. Dafür vereinbare ich jeweils individuelle Termine mit ihnen. Ich habe also keine klassischen Acht-Stunden-Dienste wie beispielsweise im stationären Wohnen, sondern kann meine Termine auch mal etwas schieben. Hinzu kommt, dass ich als stellvertretende Betriebsratsvorsitzende teilweise freigestellt bin und meine Betriebsratstätigkeit gut in meine Arbeitsabläufe einbauen kann.

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Mein Name ist Lisa, ich bin 39 Jahre alt, ausgebildete Ergotherapeutin und arbeite mit Menschen mit Behinderungen. Ich bin bei einer Werkstatt als Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung angestellt. Im Berufsbildungsbereich betreue ich Teilnehmer*innen zwei Jahre lang bei ihrer beruflichen Bildung.

In meiner Abteilung lernen meine Teilnehmer*innen allerlei Bürotätigkeiten wie das Vorprüfen von Rechnungen, Buchrücken abzuschreiben und Bücher zu digitalisieren. Zusätzlich habe ich noch eine Fachleitungsstelle für ein Rehabilitations-Planungselement im Haus und arbeite im Rahmen dieser Stelle am Konzept unserer Einrichtung mit.

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Mein Name ist Sina, ich bin 31 Jahre alt und Erzieherin in Hannover. Seit zehn Jahren arbeite ich im Kindertagestättenbereich in einer großen Einrichtung, die insgesamt ca. 100 Kinder besuchen. Dort betreue ich Kleinkinder zwischen eins und drei. Seit März 2020 bin ich ordentliches Mitglied im Personalrat und bin teilweise freigestellt. Für mich stand fest, dass ich unbedingt mit Menschen arbeiten möchte …

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* Elena heißt im wirklichen Leben ganz anders, ihr Name ist der Redaktion bekannt, die Fotos sind beispielhaft und haben nichts mit der Porträtierten zu tun.

Mein Name ist Elena. Ich bin seit 17 Jahren beim Jugendamt im Allgemeinen Sozialen Dienst tätig. Ich bin seit meinem Studium in diesem Beruf, den direkten Weg bin ich trotzdem nicht gegangen. 

Bis heute ist meine Arbeit im Jugendamt meine Berufung

Geboren und aufgewachsen bin ich in einer eher ländlichen Region in Süddeutschland. Ich war erst auf einer Hauswirtschaftsfachschule und habe als Hauswirtschafterin gearbeitet. Danach habe ich – in meinen frühen Zwanzigern – einen Job in einer Kleinkindbetreuung ergattert. Rückblickend muss ich sagen: ohne richtige Ausbildung – eine Fahrlässigkeit vonseiten meines damaligen Arbeitgebers, wie ich aus heutiger Sicht finde. Das waren dann auch die ersten Schnittmengen mit meinem heutigen Beruf.

Im Anschluss habe ich den zweiten Bildungsweg einmal komplett durchlaufen: erst das Fachabi, anschließend habe ich an der Fachhochschule Soziale Arbeit studiert. Diese Wahl war zunächst eine pragmatische Entscheidung. Ich wollte etwas machen, wo die berufliche Perspektive greifbar ist. Aber schon sehr bald habe ich meinen Beruf als Berufung empfunden.

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