von Daniel Behruzi

Stärke durch Organisation!

Die nicht-ärztlichen Beschäftigten der Kölner Uniklinik haben sich erfolgreich mit ver.di organisiert und gestreikt. Die Krankenpflegerin Rosa Hense berichtet, wie die Aktiven das geschafft haben.

 Rosa Hense , Gesundheits- und Krankenpflegerin am Uniklinikum Köln. 
Foto: Daniel Behruzi
Rosa Hense, Gesundheits- und Krankenpflegerin am Uniklinikum Köln.
Foto: Daniel Behruzi
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Alle Fotos von Kay Herschelmann

Bitter, aber wahr im Frühjahr 2022

Gestern Morgen startete die dritte Runde der Tarifverhandlungen für den Sozial und Erziehungsdienst. Die Corona-Zahlen sinken – und deshalb war es endlich wieder möglich, dass um die 1000 Kolleg*innen aus Berlin und Brandenburg sowie Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die im Übrigen von ihren Trillerpfeifen regen Gebrauch machten, in einem großen Demozug Richtung Kongresshotel in Potsdam zogen, wo die Verhandlungen stattfinden.

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Mein Name ist Ina, ich bin 55 Jahre alt und arbeite seit 33 Jahren bei einem Blinden- und Sehbehindertenverein. Dort betreue ich schwerstmehrfachbehinderte Erwachsene, die zudem blind oder sehbeeinträchtigt sind. Das ist ein sehr sensibler Bereich. Insgesamt betreibt der Verein fünf Wohneinheiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten und zwei Werkstätten. Ich bin langjährige Teamleiterin und teilweise freigestellte Betriebsrats-Vorsitzende.

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Mein Name ist Brit, ich bin 43 Jahre alt und arbeite seit 10 Jahren als Erzieherin in der Kindertagesstätte einer Hamburger Stiftung. Seit vier Jahren bin ich in einer integrativen Kita-Gruppe tätig. Ebenfalls vor vier Jahren wurde ich in den Vorsitz der Mitarbeiter*innenvertretung gewählt und bin teilweise freigestellt. Ab Mai diesen Jahres bin ich aber wieder in Vollzeit bei den Kindern.

Unsere Stiftung ist der Diakonie zugeordnet, wir gehören damit zu den wenigen Anwendern der Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR). Die aktuelle Tarifrunde für den kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst betrifft uns somit nicht direkt, aber sie setzt Standards für die gesamte Branche und so profitieren wir auch von einem guten Abschluss, nur etwas später. Bisher hat die Arbeitsrechtliche Kommission einige Zeit nach einem Tarifabschluss im öffentlichen Dienst unsere Gehälter immer nach oben korrigiert. Sonst würden viel zu viele Beschäftigte zur kommunalen Konkurrenz abwandern

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Ich bin Julia, 38 Jahre alt und Sozialpädagogin. Ich arbeite im Bereich Ambulant Begleitetes Wohnen bei einem Freien Träger. Im Rahmen unseres Konzepts begleite ich einzelne erwachsene Personen mit Behinderung in ihrem Alltag. Dafür vereinbare ich jeweils individuelle Termine mit ihnen. Ich habe also keine klassischen Acht-Stunden-Dienste wie beispielsweise im stationären Wohnen, sondern kann meine Termine auch mal etwas schieben. Hinzu kommt, dass ich als stellvertretende Betriebsratsvorsitzende teilweise freigestellt bin und meine Betriebsratstätigkeit gut in meine Arbeitsabläufe einbauen kann.

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Mein Name ist Lisa, ich bin 39 Jahre alt, ausgebildete Ergotherapeutin und arbeite mit Menschen mit Behinderungen. Ich bin bei einer Werkstatt als Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung angestellt. Im Berufsbildungsbereich betreue ich Teilnehmer*innen zwei Jahre lang bei ihrer beruflichen Bildung.

In meiner Abteilung lernen meine Teilnehmer*innen allerlei Bürotätigkeiten wie das Vorprüfen von Rechnungen, Buchrücken abzuschreiben und Bücher zu digitalisieren. Zusätzlich habe ich noch eine Fachleitungsstelle für ein Rehabilitations-Planungselement im Haus und arbeite im Rahmen dieser Stelle am Konzept unserer Einrichtung mit.

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Mein Name ist Sina, ich bin 31 Jahre alt und Erzieherin in Hannover. Seit zehn Jahren arbeite ich im Kindertagestättenbereich in einer großen Einrichtung, die insgesamt ca. 100 Kinder besuchen. Dort betreue ich Kleinkinder zwischen eins und drei. Seit März 2020 bin ich ordentliches Mitglied im Personalrat und bin teilweise freigestellt. Für mich stand fest, dass ich unbedingt mit Menschen arbeiten möchte …

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* Elena heißt im wirklichen Leben ganz anders, ihr Name ist der Redaktion bekannt, die Fotos sind beispielhaft und haben nichts mit der Porträtierten zu tun.

Mein Name ist Elena. Ich bin seit 17 Jahren beim Jugendamt im Allgemeinen Sozialen Dienst tätig. Ich bin seit meinem Studium in diesem Beruf, den direkten Weg bin ich trotzdem nicht gegangen. 

Bis heute ist meine Arbeit im Jugendamt meine Berufung

Geboren und aufgewachsen bin ich in einer eher ländlichen Region in Süddeutschland. Ich war erst auf einer Hauswirtschaftsfachschule und habe als Hauswirtschafterin gearbeitet. Danach habe ich – in meinen frühen Zwanzigern – einen Job in einer Kleinkindbetreuung ergattert. Rückblickend muss ich sagen: ohne richtige Ausbildung – eine Fahrlässigkeit vonseiten meines damaligen Arbeitgebers, wie ich aus heutiger Sicht finde. Das waren dann auch die ersten Schnittmengen mit meinem heutigen Beruf.

Im Anschluss habe ich den zweiten Bildungsweg einmal komplett durchlaufen: erst das Fachabi, anschließend habe ich an der Fachhochschule Soziale Arbeit studiert. Diese Wahl war zunächst eine pragmatische Entscheidung. Ich wollte etwas machen, wo die berufliche Perspektive greifbar ist. Aber schon sehr bald habe ich meinen Beruf als Berufung empfunden.

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Foto: Kay Herschelmann

„Wir für Tarif“ lautet das gemeinsame Motto der Tarifbewegung im Bereich der privaten Banken und der öffentlichen Banken.* Beide Tarifrunden starteten im Sommer 2021 und begannen eher zäh und herausfordernd für die ver.di-Verhandlungskommission. Doch was ist der aktuelle Stand der Verhandlungen zur Jahreswende? Dazu haben wir mit dem ver.di-Verhandlungsführer und Fachgruppenleiter Bankgewerbe Jan Duscheck gesprochen. 

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Dass an vielen deutschen Universitäten und Hochschulen einiges im Argen liegt, wissen alle, die dort lernen, lehren oder anderweitig arbeiten. Meist ist die Auslastung hoch und es gibt um ein Vielfaches mehr Studierende als diejenige Anzahl, für die die Unis einst ausgelegt waren. Weil die Lehrenden entsprechend mehr Student*innen betreuen müssen, weil auch am Mittelbau an Hochschulen gespart wird, ist die Arbeit der Studentischen Hilfskräfte (SHK) umso wichtiger. Umso skandalöser ist es, dass – mit Ausnahme von Berlin – SHKs nicht nach den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes bezahlt werden. Im Gegenteil: Offiziell gelten sie an vielen Hochschulen als „Sachmittel“, werden aus diesem Topf bezahlt und so werden sie vom Arbeitgeber „Land“ auch behandelt. Merle, Johannes, Laura, Freddy und Mara kämpfen in Hamburg für einen Tarifvertrag (hier gibt es Bilder vom Uni-Streik aus Berlin BTW) und erzählen, welche Auswirkungen dieser untragbare Zustand auf ihre tägliche Arbeit und ihr Leben hat.

Merle: „Arbeit an der Uni ist Arbeit – und keine ‚persönliche Chance‘ zur Qualifikation für den Wissenschaftsbereich!“

Ich bin Merle und studiere inzwischen im Master Soziologie an der Uni Hamburg. Seit Anfang des Jahres arbeite ich außerdem auch als studentische Hilfskraft (SHK) an der Uni und bin seitdem auch bei TV Stud aktiv.

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