von Daniel Behruzi

Stärke durch Organisation!

Die nicht-ärztlichen Beschäftigten der Kölner Uniklinik haben sich erfolgreich mit ver.di organisiert und gestreikt. Die Krankenpflegerin Rosa Hense berichtet, wie die Aktiven das geschafft haben.

 Rosa Hense , Gesundheits- und Krankenpflegerin am Uniklinikum Köln. 
Foto: Daniel Behruzi
Rosa Hense, Gesundheits- und Krankenpflegerin am Uniklinikum Köln.
Foto: Daniel Behruzi
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Alle Fotos Kay Herschelmann

Aydan, Hansi, Angela und Anika begleiten als ehrenamtliche Mitglieder – zusammen mit weiteren gewählten Kolleg*innen – in der Verhandlungskommission die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst – live vor Ort, um die Interessen „ihrer“ Berufe zu vertreten.

Auch in dieser separaten Runde für die Sozial- und Erziehungsdienste, in der es nicht um Gehalt, sondern um Entlastung und Aufwertung ging, waren sie ganz nah an den Verhandlungen dran. Hier geben sie ihre persönliche Einordnung des aktuell erreichten Tarifabschlusses. Aber auch unsere aktiven Mitglieder in der Fläche, die in der Tarifrunde gestreikt haben, haben wir nach ihrer Meinung zum Tarifergebnis befragt.

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Alle Fotos von Kay Herschelmann

Bitter, aber wahr im Frühjahr 2022

Gestern Morgen startete die dritte Runde der Tarifverhandlungen für den Sozial und Erziehungsdienst. Die Corona-Zahlen sinken – und deshalb war es endlich wieder möglich, dass um die 1000 Kolleg*innen aus Berlin und Brandenburg sowie Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die im Übrigen von ihren Trillerpfeifen regen Gebrauch machten, in einem großen Demozug Richtung Kongresshotel in Potsdam zogen, wo die Verhandlungen stattfinden.

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* Elena heißt im wirklichen Leben ganz anders, ihr Name ist der Redaktion bekannt, die Fotos sind beispielhaft und haben nichts mit der Porträtierten zu tun.

Mein Name ist Elena. Ich bin seit 17 Jahren beim Jugendamt im Allgemeinen Sozialen Dienst tätig. Ich bin seit meinem Studium in diesem Beruf, den direkten Weg bin ich trotzdem nicht gegangen. 

Bis heute ist meine Arbeit im Jugendamt meine Berufung

Geboren und aufgewachsen bin ich in einer eher ländlichen Region in Süddeutschland. Ich war erst auf einer Hauswirtschaftsfachschule und habe als Hauswirtschafterin gearbeitet. Danach habe ich – in meinen frühen Zwanzigern – einen Job in einer Kleinkindbetreuung ergattert. Rückblickend muss ich sagen: ohne richtige Ausbildung – eine Fahrlässigkeit vonseiten meines damaligen Arbeitgebers, wie ich aus heutiger Sicht finde. Das waren dann auch die ersten Schnittmengen mit meinem heutigen Beruf.

Im Anschluss habe ich den zweiten Bildungsweg einmal komplett durchlaufen: erst das Fachabi, anschließend habe ich an der Fachhochschule Soziale Arbeit studiert. Diese Wahl war zunächst eine pragmatische Entscheidung. Ich wollte etwas machen, wo die berufliche Perspektive greifbar ist. Aber schon sehr bald habe ich meinen Beruf als Berufung empfunden.

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Foto: Kay Herschelmann

„Wir für Tarif“ lautet das gemeinsame Motto der Tarifbewegung im Bereich der privaten Banken und der öffentlichen Banken.* Beide Tarifrunden starteten im Sommer 2021 und begannen eher zäh und herausfordernd für die ver.di-Verhandlungskommission. Doch was ist der aktuelle Stand der Verhandlungen zur Jahreswende? Dazu haben wir mit dem ver.di-Verhandlungsführer und Fachgruppenleiter Bankgewerbe Jan Duscheck gesprochen. 

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Foto: Kay.Herschelmann

Wir haben Mitglieder der ver.di-Bundestarifkommission (BTK) gefragt, wie sie zum Abschluss der aktuellen Tarifrunde der Länder stehen. Die Tarifkommission ist bei ver.di das Gremium, das unter anderem über die Annahme eines Tarifabschlusses entscheidet. Die BTK besteht aus 100 stimmberechtigten gewählten ehrenamtlichen Mitgliedern und verschiedenen nicht-stimmberechtigten Hauptberuflichen (stimmberechtigt sind außerdem die Mitglieder des Bundesvorstands, deren Fachbereiche von den Tarifverhandlungen betroffen sind). Hier kommen unsere Ehrenamtlichen zu Wort.

Herrmann: „Wir konnten den Arbeitsvorgang abwenden“
Herrmann, BTK und VK-Mitglied

Moin, ich bin in der Verhandlungskommission und auch in der Bundestarifkommission (BTK). Ich muss sagen, wir hatten hier in Potsdam ganz schwierige Gespräche mit den Arbeitgebern. Wir haben von Sonntag auf Montag bis nachts um eins gesessen. Am nächsten Morgen ging es in die BTK, wo wir die Ergebnisse dann bewertet haben.

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Dass an vielen deutschen Universitäten und Hochschulen einiges im Argen liegt, wissen alle, die dort lernen, lehren oder anderweitig arbeiten. Meist ist die Auslastung hoch und es gibt um ein Vielfaches mehr Studierende als diejenige Anzahl, für die die Unis einst ausgelegt waren. Weil die Lehrenden entsprechend mehr Student*innen betreuen müssen, weil auch am Mittelbau an Hochschulen gespart wird, ist die Arbeit der Studentischen Hilfskräfte (SHK) umso wichtiger. Umso skandalöser ist es, dass – mit Ausnahme von Berlin – SHKs nicht nach den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes bezahlt werden. Im Gegenteil: Offiziell gelten sie an vielen Hochschulen als „Sachmittel“, werden aus diesem Topf bezahlt und so werden sie vom Arbeitgeber „Land“ auch behandelt. Merle, Johannes, Laura, Freddy und Mara kämpfen in Hamburg für einen Tarifvertrag (hier gibt es Bilder vom Uni-Streik aus Berlin BTW) und erzählen, welche Auswirkungen dieser untragbare Zustand auf ihre tägliche Arbeit und ihr Leben hat.

Merle: „Arbeit an der Uni ist Arbeit – und keine ‚persönliche Chance‘ zur Qualifikation für den Wissenschaftsbereich!“

Ich bin Merle und studiere inzwischen im Master Soziologie an der Uni Hamburg. Seit Anfang des Jahres arbeite ich außerdem auch als studentische Hilfskraft (SHK) an der Uni und bin seitdem auch bei TV Stud aktiv.

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Sie haben sich entschlossen, in der Tarifrunde der Länder (TdL) 2021 Gesicht zu zeigen! Marko, Sylvia und Marie sind – wie über 2 Millionen andere – Angestellte im öffentlichen Dienst beim Land und außerdem bei ver.di engagiert. Sie arbeiten in den unterschiedlichsten Berufen und werden euch in den nächsten Monaten durch die Tarifrunde begleiten. Sie erzählen aus ihrem Arbeitsalltag, benennen ihre Erwartungen, was sich verbessern muss, zeigen euch Bilder von Aktionen und Streiks, an denen sie teilnehmen, und kommentieren aus ihrer Sicht den Fortlauf der Verhandlungen. Heute stellen wir sie vor!

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der eingang zum amazon Fullfilment Center in Graben bei Augsburg bei Nacht

Franka ist seit einigen Jahren im Amazon-Versandzentrum Graben bei Augsburg beschäftigt. Als Pickerin besteht ihre Arbeit darin, die Bestellungen der Kunden zusammenzustellen. Dazu sucht sie im Lager die Artikel aus den Regalen zusammen. Hauptwerkzeuge ihrer Arbeit sind der Cart, ein Wagen mit Drehstapelbehältern, in dem die Produkte gesammelt werden, und ein Scanner.

Margarethe ist im Inventur- und Qualitätsmanagement. Sie überprüft, ob sich in den Regalfächern tatsächlich auch die Produkte befinden, die im System verzeichnet sind. Mit beiden konnten wir über ihre Arbeit bei dem berüchtigten Versandgroßhändler, vor allem im Pandemiejahr 2020, sprechen.

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Foto: KAY HERSCHELMANN

Christiane Lehmann: Hallo Aydan, schön dass du dir Zeit für uns genommen hast. Wir wollen uns heute über die gerade abgeschlossene Tarifeinigung im öffentlichen Dienst unterhalten. Aber bevor wir zum Thema kommen – magst du dich kurz vorstellen?

Aydan Fazilet Karakas-Blutte: Mein Name ist Aydan und ich bin bei ver.di Mitglied sowohl in der Bundestarifkommission (BTK) als auch in der Verhandlungskommission (VK) des öffentlichen Dienstes. Seit 2006 bin ich freigestellte Personalrätin bei der Stadtverwaltung Kassel. Davor habe ich 10 Jahre als Sozialarbeiterin im Allgemeinen Sozialen Dienst gearbeitet und war dann mehrere Jahre in der Schulsozialarbeit tätig. Vor meiner Freistellung habe ich zuletzt bei der Jugendgerichtshilfe Täter-Opfer-Ausgleich gemacht. Das ist eine außergerichtliche Vermittlungsstelle zwischen Täter und Opfern, bei denen Mediationsverfahren angewendet werden. 

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