Wir haben im Frühjahr 2022 die Beschäftigten in der In der Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft nach ihren Arbeitsbedingungen befragt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor und in allen Bereichen sind sie alarmierend. Die Kolleg*innen fühlen sich unzureichend geschult, strukturell überlastet sowie gesundheitlich angegriffen und haben finanzielle Sorgen.

Um die Versorgungssicherheit auch in der Zukunft zu garantieren, braucht es engagierte und gesunde Kolleg*innen – und mehr von ihnen. Die aktuelle Krise zeigt anschaulich, wie wichtig es ist, darüber hinaus Puffer für unvorhersehbare Situationen vorzuhalten. Das wird schwierig, wenn die Kolleg*innen sowieso schon alle auf dem Zahnfleisch gehen.

Die Umfrage wurde von der Konzeption bis zur Auswertung von ver.di-Aktiven aus den Branchen begleitet. Überrascht von den Ergebnissen sind sie nicht. Zwei Kollegen haben wir befragt, wo es an ihrer Arbeitsstelle am meisten brennt.

N-ERGIE Nürnberg: Unser größtes Problem ist die Überlastung

Mein Name ist Andreas Weiß. Seit knapp dreißig Jahren arbeite ich bei der N-ERGIE in Nürnberg. Seit gut sechs Jahren bin ich als Fachkoordinator in der gewerblich-technischen Ausbildung. Ich betreue die Auszubildenden bei uns im Betrieb. Das beinhaltetet Steuerung, Abstimmung, Erstellung und Umsetzung eines strukturierten Ausbildungsplanes, die Koordination des praktischen Einsatzes der Auszubildenden sowie die Umsetzung des Betreuungskonzeptes in der Berufsausbildung.

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Ein Bericht von Conny Berger, Leiterin Kommunikation in der ver.di Bundesverwaltung

Karl Christian Führer, Autor des Buches „Gewerkschaftsmacht und ihre Grenzen“ u.a. über den Streik von 1974. Foto: Udo Milbret

Frauen gab es 1974 so gut wie gar nicht in der Gewerkschaftswelt und so konnte auch Erika Derntröder als ÖTV-Beschäftigte den großen Streik im öffentlichen Dienst 1974 nicht aktiv unterstützen. Zehn Jahre musste sie sich daheim um den Nachwuchs kümmern, denn auch Betreuung und Teilzeitarbeit gab es damals nicht. 

Aber sie erinnert sich trotzdem noch gut an ein wesentliches Element ihrer politischen Arbeit: „Wir haben uns damals sehr für den Frieden eingesetzt, das hat uns bewegt.“ – Szenenapplaus im Hans-Liersch-Haus, wo sich am 12. Oktober 2022 auf Einladung des ver.di-Bezirks Mittleres Ruhrgebiet einhundert Kolleg*innen aus allen Altersgruppen treffen, um sich über „einen legendären Arbeitskampf in Krisenzeiten“ auszutauschen und sich vielleicht für den nächsten seiner Art zu rüsten. 

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Foto: Joana Georgi

ver.di: Hallo Pascal, wer bist du und was machst du beruflich bei der Berliner Stadtreinigung?

Pascal: Ich bin Pascal Zimmer, 32 Jahre alt und arbeite bei der Berliner Stadtreinigung als Tourenmeister bei der Müllabfuhr. Ich habe zwei Kinder, fünf Jahre und elf Monate. Mein drittes Kind ist vierbeinig: mein Hund. (lacht) Meine Familie ist mein Rückzugsort und mein Hobby. Wenn ich zuhause bin, ist aller Stress vergessen. Zusätzlich betreibe ich Kraftsport um dem Alltagsstress zu entkommen.

Angefangen bei der Berliner Stadtreinigung habe ich 2013 als Müllwerker. Nach kurzer Zeit wurde ich als Kraftfahrer eingesetzt. Ich bin einige Jahre auf dem Wagen gefahren und hatte eine eigene Hausmülltour. Ende 2017 habe ich mich für die zweijährige Ausbildung zum Tourenmeister entschieden und arbeite seitdem in diesem Beruf.

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Alle Fotos von Christian Jungeblodt

Klimawandel, Ukraine-Krieg, Corona-Pandemie – dieser Tage wird spürbar: Unsere Welt ist längst im Umbruch, höchste Zeit, den Wandel zu gestalten, Brüche abzufedern und stattdessen die Chancen zu nutzen! Doch wie gehen wir mit den gegenwärtigen Herausforderungen Digitalisierung, CO2-Minderung und demografischer Wandel um?

Darüber sprechen wir drei Tage lang im Rahmen der ver.di-Zukunftstage mit Vertreter*innen aus Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Die Vorzeichen sind nicht ganz einfach: Corona und die große Politik durchkreuzen kurzfristig die Programmplanung, aber auch das heißt Zukunftsfähigkeit: flexibel sein und einen Plan B in der Hinterhand zu haben! Es moderiert übrigens der wunderbare Volker Finthammer, den viele von uns aus dem DLF Morgenmagazin kennen. Die ganze Veranstaltung könnt ihr im Stream nachsehen.

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Arbeitsalltag in einer Agentur.
Das Foto zeigt weder Gabriel noch die Agentur, in der er tätig war.

Das Interview führte Petra Welzel

Gabriel hat einen Betriebsrat in einer Digitalagentur gegründet und hätte damit auch scheitern können. Er wurde angefeindet, kaltgestellt, mit Kündigungen bedroht. Ein Gespräch über die Mühen einer Betriebsratsgründung, was man dazu wissen muss, und warum Betriebsratsarbeit dennoch Spaß machen kann.

ver.di: Gabriel, du hast vor ein paar Jahren in einer Digitalagentur einen Betriebsrat gegründet – gegen massive Widerstände. Gibt es euren Betriebsrat noch?

Gabriel: Der Betriebsrat wurde in einem Unternehmen gegründet, das es heute nicht mehr gibt. Die Agentur war Teil eines Konzerns – und der Konzern hat später entschieden, dieses Unternehmen aufzulösen. Dann gab es eine Verschmelzung, für den Betrieb einen Übergang. Auf diesen Weg hat sich auch der Betriebsrat begeben, er ist mitgewandert in diesen neuen Betrieb und wir haben unsere Arbeit im Rahmen eines Übergangsmandats fortgesetzt.

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Mousa im Gespräch mit einem Amazon-Fahrer

Der Online-Riese Amazon stellt seit 2019 auch in Deutschland die eigenen Pakete selbst zu – und ist damit nicht mehr auf herkömmliche Paketlieferdienste angewiesen. Da Amazon nicht gerade für gute Arbeitsbedingungen bekannt ist, wollten wir wissen: Wie sieht es damit aus auf der sogenannten „letzten Meile“? Mousa von Faire Integration berät Fahrerinnen und Fahrer, die Amazon-Bestellungen ausliefern, und erzählt von seinen Einblicken.

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Ein Gespräch mit Frank Werneke und Marcel Fratzscher

Viele Vorschläge – wir möchten sozial gerechte Lösungsansätze finden

Die Preise für Lebensmittel steigen rasant. Und wer hatte noch nicht das Schreiben vom Energieanbieter im Briefkasten, in dem saftige Preissteigerungen angekündigt wurden – und im Winter könnte es noch viel schlimmer kommen, lesen und hören wir. Die Stimmung ist schlecht: Viele wissen nicht, wie sie angesichts dieser unerwarteten Entwicklungen ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen.

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von Daniel Behruzi

Stärke durch Organisation!

Die nicht-ärztlichen Beschäftigten der Kölner Uniklinik haben sich erfolgreich mit ver.di organisiert und gestreikt. Die Krankenpflegerin Rosa Hense berichtet, wie die Aktiven das geschafft haben.

 Rosa Hense , Gesundheits- und Krankenpflegerin am Uniklinikum Köln. 
Foto: Daniel Behruzi
Rosa Hense, Gesundheits- und Krankenpflegerin am Uniklinikum Köln.
Foto: Daniel Behruzi
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Alle Fotos Kay Herschelmann

Aydan, Hansi, Angela und Anika begleiten als ehrenamtliche Mitglieder – zusammen mit weiteren gewählten Kolleg*innen – in der Verhandlungskommission die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst – live vor Ort, um die Interessen „ihrer“ Berufe zu vertreten.

Auch in dieser separaten Runde für die Sozial- und Erziehungsdienste, in der es nicht um Gehalt, sondern um Entlastung und Aufwertung ging, waren sie ganz nah an den Verhandlungen dran. Hier geben sie ihre persönliche Einordnung des aktuell erreichten Tarifabschlusses. Aber auch unsere aktiven Mitglieder in der Fläche, die in der Tarifrunde gestreikt haben, haben wir nach ihrer Meinung zum Tarifergebnis befragt.

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Foto: privat

Ich bin Roland, 52 Jahre alt und arbeite beim Kreis Lippe / Ostwestfalen in der Abteilung Bevölkerungsschutz als Notfallsanitäter. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Auf dem Rettungswagen bin ich jetzt seit ungefähr 25 Jahren.

Angestellt bin ich bei der Kommune, aber der Betreiber des Rettungsdienstes ist der Landkreis. Im gesamten Kreis sind wir – mit allen Rettungswachen auch in den Kleinstädten drum herum – insgesamt knapp über 120 Leute. 

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