von Cornelia Berger, Leiterin Kommunikation in der ver.di Bundesverwaltung

Die Corona-Pandemie als Zäsur

Klar, die meisten von uns wissen noch, was sie am 11. September 2001 gemacht haben, als die Hoffnung in Rauch aufging, dass nach dem kalten Krieg eine demokratische und stabile Weltordnung entstehen würde. Ganz viele wissen auch immer noch, was sie am 9. November 1989 gemacht haben, als in Berlin die Mauer fiel. Mein Leben als westdeutsche Abiturientin hat das nicht weiter tangiert und das ist wahrscheinlich der große Unterschied zwischen den Zäsuren, die unser politisches Leben in den vergangenen Jahrzehnten geprägt haben: Von Corona waren in diesem Höllenexemplar von 2020 alle tangiert, das Kindergartenkind ebenso wie der 84-jährige Vater.

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Der Möbelhaus-Besuch als sonntägliches Familien-Event? Der Verdauungsspaziergang nach dem Sonntagsbraten führt ins nächst gelegene Einkaufszentrum? Stressfrei Weihnachtsgeschenke shoppen? Oder – in seligen Vor-Corona-Zeiten – die Nacht von Samstag auf Sonntag durchtanzen und sich auf dem Heimweg noch schnell fürs späte Frühstück eindecken?

Der verkaufsoffene Sonntag klingt für viele erst mal attraktiv – wir geben euch gute Argumente an die Hand, weshalb wir davon überzeugt sind, dass der Preis fürs Sonntags-Shopping zu hoch ist. Bezahlen müssen ihn – nicht nur – die Beschäftigten.

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Foto: KAY HERSCHELMANN

Christiane Lehmann: Hallo Aydan, schön dass du dir Zeit für uns genommen hast. Wir wollen uns heute über die gerade abgeschlossene Tarifeinigung im öffentlichen Dienst unterhalten. Aber bevor wir zum Thema kommen – magst du dich kurz vorstellen?

Aydan Fazilet Karakas-Blutte: Mein Name ist Aydan und ich bin bei ver.di Mitglied sowohl in der Bundestarifkommission (BTK) als auch in der Verhandlungskommission (VK) des öffentlichen Dienstes. Seit 2006 bin ich freigestellte Personalrätin bei der Stadtverwaltung Kassel. Davor habe ich 10 Jahre als Sozialarbeiterin im Allgemeinen Sozialen Dienst gearbeitet und war dann mehrere Jahre in der Schulsozialarbeit tätig. Vor meiner Freistellung habe ich zuletzt bei der Jugendgerichtshilfe Täter-Opfer-Ausgleich gemacht. Das ist eine außergerichtliche Vermittlungsstelle zwischen Täter und Opfern, bei denen Mediationsverfahren angewendet werden. 

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Die Tarifeinigung in den Tarifverhandlungen für die Angestellten von Bund und Kommunen vom 25. Oktober 20202 enthält für alle, für die diese Einigung gilt, eine sogenannte „Corona-Prämie“.

Wei immer wieder Fragen kommen: Die Sonderzahlung des TVöD gilt ausschließlich für Beschäftigte von Bund & Kommunen, nicht für Beschäftigte der Länder, nicht für kirchliche Träger und alle anderen Arbeitgeber! Es gibt Arbeitsverträge, in denen der TVöD automatisch bernommen wird. Mitglieder, die Fragen dazu haben, können Kontakt zu ihrer ver.di-Bezirksstelle aufnehmen. Ihnen steht eine kostenlose Rechtsberatung zu.

Diese einmalige Sonderzahlung gilt unabhängig davon, ob bereits eine Prämie gezahlt wurde oder nicht. Sie ist bis zu einer Höhe von 1500 Euro steuer- und abschlagsfrei, alles darüber hinaus muss normal versteuert werden. Voraussetzung für die Prämie ist, dass das Beschäftigungsverhältnis am 1. Oktober 2020 noch bestanden hat. Wer an diesem Tag nicht in einem Arbeitsverhältnis mit Anspruch auf Entgelt war, erhält die Corona-Sonderzahlung leider nicht (Saisonkräfte). 

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von Cornelia Berger, Leiterin Kommunikation in der ver.di Bundesverwaltung

Foto: KAY HERSCHELMANN

600 Euro Corona-Prämie bekommen die Kolleginnen und Kollegen des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen in den unteren Lohngruppen im Dezember steuer- und abgabenfrei überwiesen, im übrigen trotz anderslautender Gerüchte auch die Sparkassen-Beschäftigten.

Gerade die Beschäftigten in den unteren Lohngruppen waren diejenigen, die für eine Tarifeinigung gestreikt haben. Mehr als 200.000 Kolleginnen und Kollegen haben dafür seit dem 22. September ihre Arbeit niedergelegt. Sie bekommen nun doppelt so viel wie die höheren Lohngruppen und diese soziale Komponente zieht sich auch mit dem Mindestbetrag von 50 Euro wie ein roter Faden durch das Einigungspapier – Streiken bringt‘s also!

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von Cornelia Berger, Leiterin Kommunikation

Warnstreik in Tübingen 15.10.2020

„Vernünftig“ werde es sein, das Angebot, das er ver.di gemeinsam mit der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) für die rund 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen vorlegen wolle, so verhieß es Bundesinnenminister Horst Seehofer in der Haushaltsdebatte im Deutschen Bundestag am 1. Oktober. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte einen Tag vorher schon festgestellt: „Die Corona-Heldinnen und –Helden wollen keinen Orden. Sie wollen ein ordentliches Gehalt und das müssen wir sicherstellen.

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Streikende mit ver.di-Banner in Ulm am 24. September 2020.

Die Corona-Pandemie hat gezeigt: Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst halten den Laden am Laufen. Denn sie sind systemrelevant. In den letzten Monaten wurde daher viel für sie geklatscht. Eine Anerkennung für Menschen, die tagtäglich wichtige Arbeit leisten. Sie beraten, betreuen und unterstützen die Bürger*innen. Oft an vorderster Front. Ob im Gesundheitswesen, in der Ver- und Entsorgung, bei der Bundesagentur für Arbeit oder in den Kitas. Und natürlich tun Anerkennung und Respekt gut. Doch jetzt geht es darum, diese Wertschätzung auch finanziell auszudrücken. Und auf einmal gibt es von den Arbeitgeber*innen nur noch eine Klatsche.

Genau deshalb machen die Beschäftigten nun Druck. Sie streiken. Falls die Streiks im öffentlichen Dienst auch dich treffen und zusätzlich zum Beispiel dein Bus mal einen Tag nicht fährt: Bleib cool! Setz ein entspanntes Lächeln auf und lies hier nach, wieso Solidarität eine echte gute Idee ist.

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Ein Zug fährt an einer Frau vorbei.

Du kommst zu spät. Zur Arbeit, zum Sport oder sogar zu deinem Date. Denn der Bus fährt nicht, die S-Bahn kommt nur noch selten, die U-Bahn fällt aus. Ganz egal wohin du willst, das ist ärgerlich. Aber leider nötig. Denn die Beschäftigten im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) streiken. Und zwar nicht aus Spaß oder um dir den Tag zu versauen. Sondern aus echt guten Gründen. Und die haben wir hier mal für dich zusammengetragen. Also bitte nicht aufregen, sondern lesen, liken, teilen. Denn ein bisschen gegenseitiges Verständnis schadet uns in diesen Zeiten ganz bestimmt nicht.

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sebastian gerhards - ver.di-tarifbotschafter in den tarifverhandlungen im öffentlichen dienst 2020

Christiane Lehmann: Hallo Sebastian, du hast dich entschieden, in den Tarifverhandlungen 2020 für den öffentlichen Dienst ver.di-Tarifbotschafter in deiner Amtsstelle zu werden. Wer bist du und was machst du beruflich?

Sebastian Gerhards: Ich bin Sebastian Gerhards, 39 Jahre alt und gelernter Landschaftsgärtner, heute arbeite ich als Landschaftsarchitekt bei der Unteren Naturschutzbehörde, Fischerei und Jagd im Hochsauerlandkreis.

Christiane Lehmann: Was machst du da genau? 

Sebastian Gerhards: Ich betreue verschiedene Schutzgebiete wie Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete. Auch die Durchsetzung der sogenannten „Eingriffs-Ausgleich-Regelung“ fällt in meinen Arbeitsbereich. Diese Regelung soll dafür sorgen, dass sich ein Gebiet durch Baumaßnahmen nicht verschlechtert. Wir betreuen auch Landwirte im Rahmen des Vertragsnaturschutzes und organisieren gemeinsam die Bewirtschaftung, die Beweidung oder die Mahd, um die schutzwürdigen Flächen optimal zu fördern.

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