Ich bin Auszubildende zur Pflegefachfrau im Krankenhaus im ersten Ausbildungsjahr. Ich mag meine Ausbildung. Ich bin überzeugt, dass es eine tolle und absolut sinnvolle Arbeit ist. Und ich weiß, dass ich diese Arbeit von Herzen gerne tue! Aber schon nach dieser kurzen Zeit kann ich sagen: Es wird einem sehr schwer gemacht, gute Arbeit zu leisten! Wir können im Alltag unsere Arbeit nicht so machen, wie es vonnöten ist.

„Dass ich den Patientinnen nicht geben kann, was sie brauchen, macht mich kaputt.“

Es ist unmenschlich, acht, neun oder zehn Schichten hintereinander arbeiten zu müssen, um dann einen Tag frei zu haben und weiter geht es. Ich habe kaum Zeit, um nachzuarbeiten, um den Stoff für die Ausbildung zu lernen. Eigentlich ist das keine Ausbildung, sondern eher eine „normale“ 55-Stunden-Woche!

Die Patientinnen und Patienten freuen sich, wenn man mal drei Minuten länger bei ihnen bleibt. Aber oft werde ich angehalten, schneller sein zu müssen. Dabei ist es so wichtig am Patienten zu sein – gerade bei schweren Pflegefällen. Ich bin letzte Woche weinend nach Hause gefahren. Dabei mag ich meine Arbeit. Aber der Druck, auch der Umgang untereinander nach acht Frühschichten, ist schrecklich!

Personalmangel, der zu Recht zu Unzufriedenheit unter den Kolleg*innen führt. Zeitdruck und kaum Freizeitausgleich. Das hält kaum jemand auf Dauer durch. Mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Zeit an der Patientin. Bessere Bezahlung! Das wünsche ich mir!

Wir Jungen müssen für Verbesserungen kämpfen!

Es wird gespart in den sozialen Berufen, in einer kranken Gesellschaft. Wir tragen täglich viel Verantwortung, wir werden alle älter und können irgendwann nicht mehr. Immer noch entscheiden sich überwiegend Frauen für diesen Beruf, auch unter diesen Bedingungen. Es wird Zeit, dass wir mehr Beachtung bekommen!

Und: Wir Jungen sind der Nachwuchs und sollten uns für unseren Beruf einsetzen. Zu viele Schüler und Schülerinnen sind zu eingeschüchtert. Aber wenn wir es nicht tun, wer dann?

Charlotte hat diesen Text auf unserer Facebook-Seite als Kommentar hinterlassen, den wir mit ihrem Einverständnis veröffentlichen. Charlotte heißt in Wirklichkeit anders.

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