Wir haben im Frühjahr 2022 die Beschäftigten in der In der Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft nach ihren Arbeitsbedingungen befragt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor und in allen Bereichen sind sie alarmierend. Die Kolleg*innen fühlen sich unzureichend geschult, strukturell überlastet sowie gesundheitlich angegriffen und haben finanzielle Sorgen.

Um die Versorgungssicherheit auch in der Zukunft zu garantieren, braucht es engagierte und gesunde Kolleg*innen – und mehr von ihnen. Die aktuelle Krise zeigt anschaulich, wie wichtig es ist, darüber hinaus Puffer für unvorhersehbare Situationen vorzuhalten. Das wird schwierig, wenn die Kolleg*innen sowieso schon alle auf dem Zahnfleisch gehen.

Die Umfrage wurde von der Konzeption bis zur Auswertung von ver.di-Aktiven aus den Branchen begleitet. Überrascht von den Ergebnissen sind sie nicht. Zwei Kollegen haben wir befragt, wo es an ihrer Arbeitsstelle am meisten brennt.

N-ERGIE Nürnberg: Unser größtes Problem ist die Überlastung

Mein Name ist Andreas Weiß. Seit knapp dreißig Jahren arbeite ich bei der N-ERGIE in Nürnberg. Seit gut sechs Jahren bin ich als Fachkoordinator in der gewerblich-technischen Ausbildung. Ich betreue die Auszubildenden bei uns im Betrieb. Das beinhaltetet Steuerung, Abstimmung, Erstellung und Umsetzung eines strukturierten Ausbildungsplanes, die Koordination des praktischen Einsatzes der Auszubildenden sowie die Umsetzung des Betreuungskonzeptes in der Berufsausbildung.

Bei uns im Betrieb bin ich Vorsitzender der ver.di-Vertrauensleute. Außerdem bin ich in der Fachgruppe Energiewirtschaft in Mittelfranken aktiv. Die Umfrage „Gute Arbeit in der Ver- und Entsorgung“ (UGAVE) habe ich in der von ver.di initiierten Projektgruppe mit begleitet.

Arbeitsalltag: Überlastung durch Fachkräftemangel

Die Ergebnisse der Umfrage haben mich nicht überrascht, denn ich kenne die Situation aus meinem Berufsalltag. Der anhaltende Personalabbau hat bei vielen meiner Kolleg*innen zu einer immensen Arbeitsverdichtung geführt und damit zu großem Stress. Der Fachkräftemangel verschärft die Situation, denn selbst vorhandene, ausgeschriebene Stellen werden nicht mehr besetzt.

Es zeigt sich immer deutlicher, dass Überlastung und Überforderung in der täglichen Arbeit meist nicht mit mangelnder Leistungsfähigkeit einzelner zu tun haben, sondern mit der geringen Personalausstattung in vielen Arbeitsbereichen. Die Balance zwischen den Anforderungen und der jeweils zur Verfügung stehenden Arbeitszeit stimmt einfach nicht mehr! Die Kollegen*innen können die ihnen übertragenen Aufgaben einfach nicht mehr schaffen. Manche fallen dann irgendwann krankheitsbedingt für längere Zeit aus.

 Egal ob Kollegen*innen krank sind oder in besonderen, zeitaufwändigen Projekten eingebunden oder ob die Gruppe sowieso mehr Mitarbeiter*innen benötigt – der Anspruch der Arbeitgeber ist, dass alle Tätigkeiten wie gewohnt erledigt werden sollen. Das geht einfach nicht! Wir brauchen dringend mehr Kolleginnen und Kollegen, um die Last auf mehr Schultern zu verteilen.

Zu den Ergebnissen der großen Beschäftigtenumfrage Ver- und Entsorgung

Gerade wenn im Job viel zu tun und die Zeit für Aufgaben knapp ist, muss auch entsprechender Ausgleich vorhanden sein. Wer in der Freizeit zur Ruhe kommt und neue Kraft sammeln kann, kann besser mit Belastung umgehen. Oft fehlt gerade den Kolleg*innen im Wechselschichtbetrieb oder im Bereitschaftsdienst genau diese Balance.

Der Schutz der Kolleg*innen steht an erster Stelle

Wir müssen unseren Arbeitgeber an seine Fürsorgepflicht erinnern. Wenn klar ist, dass Kolleg*innen Stellen verlassen, muss die Nachfolge rechtzeitig – also sehr früh – geregelt werden. Es muss bessere und flexiblere Möglichkeiten zur Arbeitszeitreduzierung geben, um den nötigen Ausgleich zu schaffen. Wir benötigen ein umfassendes Programm gegen eine Arbeitsverdichtung. Und: Der Schutz vor psychischen Belastungen muss Teil des gesetzlichen Arbeitsschutzes werden.

Hinzu kommt, dass die Einkommensängste der Kolleg*innen mit der Inflation wachsen, deshalb muss in der nächsten Tarifrunde das Einkommen durch einen Inflationausgleich gesichert werden, insbesondere für die Beschäftigten mit mittleren und eher niedrigen Einkommen.

Stadtwerke Bochum: unbedingt höhere Entgelte

Ich bin Dirk Schröder, freigestellter Betriebsrat und stellvertretender Vorsitzender bei der Stadtwerke Bochum Netz GmbH. Vor der Freistellung war ich in der Planungsabteilung und war dort für Hausanschluss-, Niederspannung- und Mittelspannung-Planungen zuständig. Ich bin Mitglied der BTKöD und der TV-V-Verhandlungskomission und war ebenfalls Teil der Projektgruppe zur Umfrage „Gute Arbeit …“.

Das deutlichste Signal aus meinem Betrieb betrifft die Löhne. Bei der Befragung haben 87 Prozent der Befragten der Stadtwerke Bochum gesagt, dass für sie bessere / höhere Entgelte in erster Stelle stehen. Hier sieht man deutlich, dass unsere Kollegen*innen mehr Geld benötigen. Die Inflation ist überall angekommen. Dafür sind die Kolleginnen und Kollegen auch bereit, in der kommenden Tarifrunde auf die Straße zu gehen.

Im Gegenzug der klare Auftrag an ver.di, in den Verhandlungen dafür zu sorgen, dass unsere Kollegen*innen auch mehr Geld bekommen. Allerdings ist es nicht nur die Aufgabe der Gewerkschaft, sondern auch die Arbeitgeberverbände müssen ihren Teil dazu beitragen und die Politik darf sich nicht wegducken.

Hier geht es zu den Ergebnissen der großen Branchenumfrage im Bereich Ver- und Entsorgung. Hier entlang, wenn ihr mehr über die Tarifrunde im öffentlichen Dienst wissen wollt.

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