Die Situation in den Kitas ist unübersichtlich. Die Empfehlungen der Ministerpräsidentenkonferenz vom 19. Januar 2021 gingen dahin, Kitas zu schließen, doch das Ergebnis war alles andere als einheitlich: Einige Bundesländer folgten der Empfehlung, schlossen ihre Kitas offiziell und bieten seitdem Notbetreuung an – allerdings mit unterschiedlich strenger Nachweispflicht, was große Folgen hat.

Andere Länder ließen Kitas weiterhin geöffnet, jedoch mit dem Appell an die Eltern, Kinder möglichst zu Hause zu betreuen. Der aktuelle Gipfel vom 10. Februar verfolgt die Idee einer einheitlichen Strategie dann auch nicht mehr weiter: Was mit den Kitas geschieht, ist nun auch offiziell Ländersache. Welche Konsequenzen hat diese unklare Situation aber für Erzieherinnen und Erzieher?

Denn egal, welche Regelung wo gilt oder galt: Viele Kitas sind fast so voll wie vor dem Lockdown. Die Corona-KiTa-Studie zeigt, dass die Auslastung im Januar in den Kindertageseinrichtungen mit 84 Prozent und in der Kindertagespflege mit 82 Prozent nahe am Regelbetrieb liegt.

Hohes Ansteckungsrisiko für Erzieher*innen in Kitas

Dabei gehören Erzieher*innen zu den am meisten gefährdeten Gruppen, sich am Arbeitsplatz mit Covid-19 zu infizieren. Eine Studie der AOK zeigt, dass es die meisten Krankschreibungen im Zusammenhang mit Covid-19 in den Berufen gab, die mit der Betreuung & Erziehung von Kindern zu tun haben. Auch die Annahme, dass Kinder das Virus nicht weitergeben, ist widerlegt. Eine Studie des Helmholtz Zentrums München weist nach, dass Kinder unter 14 Jahren genauso Überträger sein können wie Erwachsene. Trotz des nachgewiesenen Risikos wird für viele Beschäftigte weiterhin nicht mehr als das Nötigste getan.

Wie schlecht die Stimmung unter Kolleginnen und Kollegen ist, zeigen auch die aufgebrachten Kommentare unter unseren Beiträgen auf Facebook. Unsere Forderungen an die Ministerpräsidentenkonferenz nach einem einheitlichen Vorgehen beinhalten mehr Schutz für die Beschäftigten (z. B. durch eine Test-Strategie und Impfen) als auch Orientierung durch einen klar definierten Stufenplan. Doch was bedeutet das Chaos in den Kitas für die Beschäftigten im Alltag?

Larz: „Es bräuchte regelmäßige Tests in den Kitas“

Larz: Ich bin Larz, Erzieher bei den Eigenbetrieben Kindertagesstätten der Stadt Hanau in Hessen. Seit Mitte November befinden wir uns in strikt getrennten Gruppen, drei von vier Gruppen sind bei uns im Gebäude. Das führt dazu, dass wir die Gartennutzung aufteilen müssen und nur noch begrenzten Raum zur Verfügung haben für die Kinder. 

Mit dem Lockdown im Dezember hat das Land Hessen als Marschrichtung an die Eltern herausgegeben, dass nur Kinder mit einer zwingenden Notwendigkeit die Kitas besuchen sollen. Seither haben wir nun nur noch zwei der drei Gruppen geöffnet mit aktuell 13 bis 18 Kindern im Schnitt. 
Randzeiten mit weniger Kindern gibt es aktuell nicht. Im Gegenteil sind wir von 7:30 bis 15:30 Uhr ziemlich gut besucht. Mit zwei Vollzeit-Fachkräften ist dieser Bedarf aber gut abzudecken.

Unser Alltag ist vor allem durch die Corona-Maßnahmen geprägt. Dazu gehört permanentes Händewaschen bei den Kindern (an zwei Waschbecken pro Gruppe), stetes Lüften und das Tragen des Mund-Nasen-Schutz es bei den Erziehern.  

Ich denke, unter gewissen Voraussetzungen wäre es durchaus möglich die Kitas wieder generell komplett zu öffnen. Es braucht meiner Meinung nach allerdings eine wöchentliche oder allermindestens 14-tägige Testung aller Mitarbeiter in der Einrichtung, um so die Sicherheit der uns anvertrauten Kinder und unsere eigene Sicherheit zu gewährleisten. Ausserdem sollten bei einem positiven Fall alle Erzieher und Kinder der jeweiligen Gruppe getestet werden, um mögliche symptomlose Virusträger auszuschließen. 

Daniela: „Fühle mich bei der Arbeit in der Kita nicht geschützt!“
Kommentar von Facebook

Daniela (41): Ich bin pädagogische Fachkraft und arbeite seit 2012 in einer Kita in Frankfurt / Main. Unser Haus betreut Kinder von eins bis zehn Jahren, ich selbst arbeite mit Kindern zwischen drei und sechs.

Im Kindergarten liegt die Auslastung im Moment bei ca 40 bis 50 %. Bei den Jüngsten liegen wir höher, nämlich bei ca 85 %. Im Hort ist die Auslastung mit ca 30 % am geringsten.

Ich arbeite im Moment mit maximal 10 Kindern. Das ist einerseits sehr angenehm, da wir besser auf jedes einzelne Kind eingehen können. Allerdings ist keine gruppenübergreifende Arbeit mehr möglich. Schwierig wird es, wenn Kollegen ausfallen, da Kollegen aus anderen Gruppen nicht mehr unterstützen dürfen. Kinder und Erzieher dürfen nicht gemischt werden, was die teiloffene Arbeit unmöglich macht.

„Wir können Notbetreuung leisten – nach klaren Regeln“

Ob ich mich sicher fühle bei der Arbeit? Ehrlich? Nein … Wir bekommen zwar Masken gestellt, aber sicher fühle ich mich nicht, da der Eigenschutz durch die Masken nicht nachweisbar ist. Dass außerhalb der Kita gemischt werden darf, also Kinder mit anderen Kindern als denen aus ihrer Gruppe spielen, schützt mich ebenfalls nicht. Getestet werden wir nicht.

Ich persönlich wäre im Moment für eine Betreuung ausschließlich der Kinder, deren Eltern beide berufstätig sind und die das auch nachweisen können. Es gibt aber Eltern, die ihre Kinder in die Kita bringen, obwohl ein Elternteil zu Hause ist. Aus pädagogischer Sicht sieht das wieder anders aus, da tut es mir um jedes Kind leid, das zu Hause bleiben muss.

Ich bin der Meinung, die Regierung hätte diese Entscheidung weder den Eltern noch den Trägern überlassen dürfen, wenn es darum geht, die Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Statt einem Appell hätte sie klare Regelungen schaffen müssen.

Karolina, Kita-Leiterin, Bremen: „Ich vermisse einen langfristigen Plan“
Kommentar aus Facebook

Karolina: Wir konnten auf die Anordnungen der Stadt kurzfristig reagieren, weil uns der Reaktionsstufenplan der Stadt Bremen bereits bekannt war. Mein direkter Arbeitgeber, die Geschäftsführung des Eigenbetriebes von KiTa Bremen, hat sich schon vor Wochen für einen Übergang in die dritte Stufe, die Notbetreuung, ausgesprochen. Leider hat die Bremer Politik etwas länger gebraucht, um den Beschluss zu fassen.

Wir hatten schon vor den Weihnachtsferien das Gespräch mit allen Familien unserer Einrichtung gesucht und versucht, gemeinsam gute Lösungen zu finden. Das heißt konkret: so wenige Kinder wie möglich und so viel wie nötig zu betreuen. 

In der Notbetreuung wird die Gruppenstärke von 10 Kindern nicht überschritten. Abstandhalten zu Kindern ist unmöglich. Wir bekommen zwar ausreichend Masken aus der Zentrale, trotzdem sind zwei Kolleg*innen aus unserem Team in der Vergangenheit an Covid-19 erkrankt. In der Zeit musste auch ein Teil der Einrichtung geschlossen werden. Einige Kolleg*innen tragen seitdem permanent FFP-2-Maske. Die Angst vor einer Infektion ist beim Arbeiten immer da. 

Für Kita-Leiter*innen dauern Entscheidungen zu lange

Ich würde mir wünschen, dass die Ministerpräsidenten der Länder die beim gemeinsamen Gipfel mit der Bundesregierung vereinbarten Regeln in ihren Ländern anschließend auch umsetzten. Es ist frustrierend, wenn Montag die Beschlüsse der Ministerpräsidenten durch die Medien geistern, am Mittwoch meine Landesregierung eigene Beschlüsse fasst und ich am Freitag erfahre, wie ich ab Montag zu betreuen habe. Eltern reagieren zunehmend mit Unverständnis und Frust. Dieser entlädt sich dann bei uns, weil wir einfacher greifbar sind als die politisch Verantwortlichen.

Was ich vermisse, ist ein langfristiger Plan. Der Personalrat von KiTa Bremen hat einen Stufenplan vorgeschlagen, der allen Beteiligten Planungssicherheit bieten würde. Je nach Inzidenzwert gilt dann eine feste Belegungsquote in allen Einrichtungen. 

Was die Situation jetzt gerade betrifft, würde ich mir eine ähnliche Regelung wie im Frühjahr 2020 wünschen. Im ersten Lockdown haben wir den Betrieb so weit wie möglich runtergefahren. Den Familien, die besonders auf unsere Unterstützung angewiesen sind, haben wir selbstverständlich eine Betreuung angeboten. Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen wurden auch weiterhin betreut. Zu allen anderen haben wir wöchentlich mit Briefen, Anrufen oder Videos Kontakt gehalten. 

Diese Lösung konnte ich gut vertreten. Das Risiko der Kolleg*innen war geringer, weil die Kontakte eingeschränkt waren und trotzdem haben wir unseren Beitrag geleistet. 

Ulrike, (bis Ende 2020) Kita-Leitung, Hanau: „Wir sind gut ausgestattet, Testungen sind möglich“

Ulrike: Die Kommunikation in Hanau läuft gut. Der Arbeitgeber versucht, immer tagesaktuell zu sein. Der Eigenbetrieb Hanauer Kindertagesbetreuung hat aber auch zusätzlich zum Landeshygiene-Konzept ein eigenes, auf unsere Bedingungen angepasstes Hygienekonzept entwickelt.

Wir haben eine strenge Gruppentrennung, sowohl die Kinder als auch die Mitarbeiterinnen betreffend. So sind die Öffnungszeiten verändert worden, damit das Angebot mit dem vorhandenen Personal stattfinden kann. Die Eltern kommen nicht mehr in die Einrichtung, Kontakte finden nur mit Mund-Nasen-Schutz draußen statt. Die Hortkinder tragen auch einen Mund-Nasen-Schutz. Fremde Personen dürfen die Kita nur im Notfall betreten, z.B. Hausmeister o.ä.

Es stehen für alle genügend Masken (sowohl FFP2-, OP-Masken als auch KN95-Masken) zur Verfügung, Nachbestellung ist kein Problem, dies gilt auch für Handdesinfektionsmittel oder bei Bedarf Flächendesinfektionsmittel sowie Schutzkleidung. 

Unsere Kita bekommt alle nötige Unterstützung

Durch das Angebot, die Kita-Gebühren zu erlassen, wenn die Kinder zuhause bleiben, sind viele Kinder in der Obhut der Familien. In unserer Einrichtung sind im Durchschnitt pro Gruppe ca. 8-10 Kinder täglich da. Wir haben immer mal wieder Familien, Kinder oder auch Mitarbeiter*innen in Quarantäne, hatten aber bisher das Glück, keine Gruppe deswegen schließen zu müssen. Unsere Elternschaft und unsere Mitarbeiter*innen gehen sehr verantwortungsvoll mit allen Regeln um.

Es gibt auch die Möglichkeit zur Schnelltestung, wenn Mitarbeiter*innen das möchten – allerdings außerhalb der Arbeitszeit. Die Stadt Hanau hat dazu eine Kooperation mit einer Hanauer Arztpraxis. Eine sinnvolle Verbesserung wäre es, wenn die Testung innerhalb der Kita und während der Arbeitszeit stattfände. Außerdem gibt es ein Hygieneteam, das man zur Beratung in die Einrichtung holen kann, wenn man unsicher ist, ob Maßnahmen ausreichend sind. Insgesamt finde ich: Die Unterstützung ist voll gegeben.

Kita-Beschäftigte müssen schneller geimpft werden
Kommentar aus Facebook

Meiner Ansicht nach sollten Kitas geöffnet sein. Es ist wichtig für die Familien und die Kinder! Schon im ersten Lockdown haben die Kolleg*innen auch den Kontakt zu den Kindern gehalten, die zu Hause waren. Dies wurde von den Familien sehr positiv aufgenommen. Auch jetzt wird das natürlich umgesetzt. Es ist allerdings kein Ersatz für eine persönliche Begegnung und Begleitung. 

Deswegen finde ich, dass die Kolleg*innen in der Impfreihenfolge sehr weit nach oben gesetzt werden sollten, damit der Bildungs- und Erziehungsauftrag wieder ohne Gesundheitsrisiken vor Ort umgesetzt werden kann.

Es handelt sich in diesem Fall auch wieder um eine Frauenfrage, da viele Kolleg*innen nach der Arbeit oft Care-Arbeit in der eigenen Familie machen und daher besonders geschützt werden müssen. Die Impfung ist nötig, damit sie weiterhin ihre verschiedenen Rollen ausüben können, ohne in dem Spannungsfeld des täglichen gesundheitlichen Risikos zu stecken.

Die Politik muss klare Regelungen für Kitas treffen!
Kommentar aus Facebook

Das Land muss hier klare Regelungen treffen! Es ist eine Unmöglichkeit, den verantwortlichen Umgang mit der Pandemie und ihren Risiken auf den Rücken der Eltern und Kita-Leitungen zu legen, da wir uns ja immer noch im eingeschränkten Regelbetrieb mit veränderten Öffnungszeiten befinden. Eltern müssen entscheiden, was sie leisten können. Kita-Leiter*innen müssen mit Familien über Betreuung diskutieren, ohne echte rechtliche Grundlagen zu haben. Hier wird mit dem sozialen Gewissen von Eltern und Pädagog*innen gespielt. Wer eine Ausgangssperre und Maskenpflicht regeln kann, sollte auch für klare Richtlinien in der Kindertagesbetreuung sorgen. Dies dient dem Schutz der Familien und der Kolleg*innen.

Hier gibt es die ver.di-Forderungen für Kitas noch mal zum Nachlesen. Hier finden Erzieher*innen die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Covid-19.

One thought on “Kitas in der Corona-Krise: Erzieherinnen erzählen aus ihrem Alltag

  • 12. Februar 2021 um 21:14
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    Ich betone es immer wieder gerne: WIR, die Erzieher*innen und Kinderpfleger*innen, sind die Basis! Ohne uns wäre schon beim ersten Lockdown nichts gegangen. Wir haben uns um die Kinder der systemrelevanten Berufe gekümmert, mussten unsere eigenen Kinder fremdbetreuen lassen, da wir nicht als relevant eingestuft waren. Finde den Fehler!!
    Und nun wird diskutiert, ob wir vielleicht doch früher geimpft werden. Es ist unfassbar! Pädagogische Fach- und Ergänzungskräfte bilden die Grundlage der frühkindlichen Förderung. Wir sind ach so wichtig. Das merkt man weder in sozialen Diskussionen noch in der Entlohnung. In der Allgäuer Zeitung (Kempten/Allgäu) gab es 2 größere und 1 kleiner Artikel über unseren Berufsstand. Jammern wir zu wenig, dass wir so wenig im Fokus stehen? Ich verstehe, dass Krankenpfleger*innen, Ärzte*innen, Alternpfleger*innen oder die Damen und Herren im Lebensmitteleinzelhandel viel leisten. Ich wertschätze diese Berufe genauso. Nur wenn wir nicht wären, könnten diese Berufe nicht arbeiten – denn wer kümmert sich um ihre Kinder? Wir sind die Basis. Wir leisten so unfassbar viel und es wird uns immer schwerer gemacht. Die Ansprüche und Anforderungen steigen. Immer mehr Bürokratie. Und wo bleibt die Wertschätzung?
    Aber vielleicht werden wir öfter getestet und vielleicht bekommen wir Tests, vielleicht werden wir eher geimpft und vielleicht bekommen wir deutschlandweit einheitlich Schutzausrüstung. Und vielleicht auch etwas mehr Anerkennung!!!

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