Foto: Kay.Herschelmann

Wir haben Mitglieder der ver.di-Bundestarifkommission (BTK) gefragt, wie sie zum Abschluss der aktuellen Tarifrunde der Länder stehen. Die Tarifkommission ist bei ver.di das Gremium, das unter anderem über die Annahme eines Tarifabschlusses entscheidet. Die BTK besteht aus 100 stimmberechtigten gewählten ehrenamtlichen Mitgliedern und verschiedenen nicht-stimmberechtigten Hauptberuflichen (stimmberechtigt sind außerdem die Mitglieder des Bundesvorstands, deren Fachbereiche von den Tarifverhandlungen betroffen sind). Hier kommen unsere Ehrenamtlichen zu Wort.

Herrmann: „Wir konnten den Arbeitsvorgang abwenden“
Herrmann, BTK und VK-Mitglied

Moin, ich bin in der Verhandlungskommission und auch in der Bundestarifkommission (BTK). Ich muss sagen, wir hatten hier in Potsdam ganz schwierige Gespräche mit den Arbeitgebern. Wir haben von Sonntag auf Montag bis nachts um eins gesessen. Am nächsten Morgen ging es in die BTK, wo wir die Ergebnisse dann bewertet haben.

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Dass an vielen deutschen Universitäten und Hochschulen einiges im Argen liegt, wissen alle, die dort lernen, lehren oder anderweitig arbeiten. Meist ist die Auslastung hoch und es gibt um ein Vielfaches mehr Studierende als diejenige Anzahl, für die die Unis einst ausgelegt waren. Weil die Lehrenden entsprechend mehr Student*innen betreuen müssen, weil auch am Mittelbau an Hochschulen gespart wird, ist die Arbeit der Studentischen Hilfskräfte (SHK) umso wichtiger. Umso skandalöser ist es, dass – mit Ausnahme von Berlin – SHKs nicht nach den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes bezahlt werden. Im Gegenteil: Offiziell gelten sie an vielen Hochschulen als „Sachmittel“, werden aus diesem Topf bezahlt und so werden sie vom Arbeitgeber „Land“ auch behandelt. Merle, Johannes, Laura, Freddy und Mara kämpfen in Hamburg für einen Tarifvertrag (hier gibt es Bilder vom Uni-Streik aus Berlin BTW) und erzählen, welche Auswirkungen dieser untragbare Zustand auf ihre tägliche Arbeit und ihr Leben hat.

Merle: „Arbeit an der Uni ist Arbeit – und keine ‚persönliche Chance‘ zur Qualifikation für den Wissenschaftsbereich!“

Ich bin Merle und studiere inzwischen im Master Soziologie an der Uni Hamburg. Seit Anfang des Jahres arbeite ich außerdem auch als studentische Hilfskraft (SHK) an der Uni und bin seitdem auch bei TV Stud aktiv.

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Katharina arbeitet als Pflegekraft in einer Rettungsstelle und streikt mit der Berliner Krankenhausbewegung seit mittlerweile vier Wochen. Zuvor hatten Beschäftigte der Berliner Krankenhausbetreiber Vivantes und Charité ihren Arbeitgebern als auch dem Berliner Senat ein 100-tägiges Ultimatum gestellt. Das gemeinsame Ziel: eine sofortige Umkehr in der Gesundheitsversorgung und bei den Arbeitsbedingungen in den Berliner Krankenhäusern!

Die Beschäftigten fordern eine bedarfsorientierte Personalbemessung und die Bezahlung nach TVöD – auch für die Beschäftigten in den schlechter entlohnten Ausgliederungen. Aber auch nach vier Wochen Streik und öffentlichem Druck hat sich seitens der Politik und Arbeitgebern nicht viel getan.

Katharina ist wütend und setzt gleichzeitig auf EURE Solidarität! In ihrem sehr persönlichem Aufruf schildert sie eindringlich ihre aktuelle Arbeitssituation und warum Streik für sie aktuell die einzige Option und Hoffnung auf eine echte Veränderung ist.

Hier ihr Appell:

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Ich bin Auszubildende zur Pflegefachfrau im Krankenhaus im ersten Ausbildungsjahr. Ich mag meine Ausbildung. Ich bin überzeugt, dass es eine tolle und absolut sinnvolle Arbeit ist. Und ich weiß, dass ich diese Arbeit von Herzen gerne tue! Aber schon nach dieser kurzen Zeit kann ich sagen: Es wird einem sehr schwer gemacht, gute Arbeit zu leisten! Wir können im Alltag unsere Arbeit nicht so machen, wie es vonnöten ist.

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Fabienne – über ein Jahr bei ver.di im Trainee-Programm

Wenn der Beginn der heiß ersehnten Weiterbildung genau mit einer weltweiten Pandemie zusammenfällt … Fabienne hat zum 1. April 2020 zusammen mit 13 weiteren Nachwuchs-Gewerkschaftssekretär*innen ihr Trainee-Programm begonnen – und uns vor einem Jahr von ihrem Einstieg unter diesen ganz besonderen Bedingungen auf diesem Blog erzählt. Ein gutes Jahr ver.di-Trainee-Programm ist mittlerweile um – und genauso lange begleitet uns auch die Corona-Pandemie. Wir haben Fabienne wieder getroffen und gefragt, wie es ihr und ihren Co-Trainees ergangen ist und welches Fazit sie aus – dem im übrigen neuen – Programm für ver.di-Nachwuchskräfte zieht.

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Melanie F., 45, ist als Gruppenhelferin in der Behindertenhilfe tätig. Die Mainzerin arbeitet bei einem gemeinnützigen Verein als Begleiterin im Bereich Wohnen mit Assistenz und finanziert so ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Im Interview spricht Melanie darüber, welche großen Auswirkungen ihr Arbeitsalltag in der Pandemie auf ihr Privatleben hat.

ver.di: Ganz kurz vorab: Wieso hast du dich für eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin entschieden?

Melanie: Das war eine Bauchentscheidung. Ich bin mit Menschen mit Beeinträchtigungen groß geworden und habe nie Berührungsängste gehabt. In meinem vorherigen Beruf in einer IT-Consulting-Firma war ich nicht mehr glücklich. Ich kam irgendwann an den Punkt, dass ich beschlossen habe, mich beruflich zu verändern.

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Sie haben sich entschlossen, in der Tarifrunde der Länder (TdL) 2021 Gesicht zu zeigen! Marko, Sylvia und Marie sind – wie über 2 Millionen andere – Angestellte im öffentlichen Dienst beim Land und außerdem bei ver.di engagiert. Sie arbeiten in den unterschiedlichsten Berufen und werden euch in den nächsten Monaten durch die Tarifrunde begleiten. Sie erzählen aus ihrem Arbeitsalltag, benennen ihre Erwartungen, was sich verbessern muss, zeigen euch Bilder von Aktionen und Streiks, an denen sie teilnehmen, und kommentieren aus ihrer Sicht den Fortlauf der Verhandlungen. Heute stellen wir sie vor!

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der eingang zum amazon Fullfilment Center in Graben bei Augsburg bei Nacht

Franka ist seit einigen Jahren im Amazon-Versandzentrum Graben bei Augsburg beschäftigt. Als Pickerin besteht ihre Arbeit darin, die Bestellungen der Kunden zusammenzustellen. Dazu sucht sie im Lager die Artikel aus den Regalen zusammen. Hauptwerkzeuge ihrer Arbeit sind der Cart, ein Wagen mit Drehstapelbehältern, in dem die Produkte gesammelt werden, und ein Scanner.

Margarethe ist im Inventur- und Qualitätsmanagement. Sie überprüft, ob sich in den Regalfächern tatsächlich auch die Produkte befinden, die im System verzeichnet sind. Mit beiden konnten wir über ihre Arbeit bei dem berüchtigten Versandgroßhändler, vor allem im Pandemiejahr 2020, sprechen.

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ver.di: Hallo Mareike*, wer bist du und was machst du?  

Mareike: Ich bin staatlich anerkannte Erzieherin, 34 Jahre alt und arbeite seit vier Jahren in der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Seit zwei Jahren als stellvertretende Gruppenleitung. Berufsbegleitend studiere ich im 5. Semester Soziale Arbeit. 

ver.di: Wie sah ein typischer Arbeitstag vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie aus?

Mareike: In unserer Wohngruppe betreuen wir zehn Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 17 Jahren. 365 Tage im Jahr, 24/7, sind wir für unsere Kids da. Egal ob Wochenende oder Feiertage: Wir schließen nie. Entweder mache ich Nachtdienste und bin bin von 12 Uhr mittags bis 9 Uhr morgens am Folgetag auf der Arbeit oder ich arbeite im Tagdienst von 12 bis 20 Uhr. Unsere Gruppenleitung deckt die Zeit von 8 bis 16 Uhr von Montag bis Freitag ab.

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Die Situation in den Kitas ist unübersichtlich. Die Empfehlungen der Ministerpräsidentenkonferenz vom 19. Januar 2021 gingen dahin, Kitas zu schließen, doch das Ergebnis war alles andere als einheitlich: Einige Bundesländer folgten der Empfehlung, schlossen ihre Kitas offiziell und bieten seitdem Notbetreuung an – allerdings mit unterschiedlich strenger Nachweispflicht, was große Folgen hat.

Andere Länder ließen Kitas weiterhin geöffnet, jedoch mit dem Appell an die Eltern, Kinder möglichst zu Hause zu betreuen. Der aktuelle Gipfel vom 10. Februar verfolgt die Idee einer einheitlichen Strategie dann auch nicht mehr weiter: Was mit den Kitas geschieht, ist nun auch offiziell Ländersache. Welche Konsequenzen hat diese unklare Situation aber für Erzieherinnen und Erzieher?

Denn egal, welche Regelung wo gilt oder galt: Viele Kitas sind fast so voll wie vor dem Lockdown. Die Corona-KiTa-Studie zeigt, dass die Auslastung im Januar in den Kindertageseinrichtungen mit 84 Prozent und in der Kindertagespflege mit 82 Prozent nahe am Regelbetrieb liegt.

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